Drei Fragen an Norbert Schaaf
Norbert Schaaf, security, Videosystem, Smartphone, Sicherheitstechnik, Smart Home,
06.06.2016

Drei Fragen an Norbert Schaaf

Norbert Schaaf nimmt im Interview Stellung zum Zusammenwachsen von Sicherheitstechnik und Informationstechnologie. Schaaf ist Vorsitzender des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. und Vorsitzender des Messebeirats der security essen.

IoT, Smart Home, Industrie 4.0, autonome Mobilität – die Informationstechnologie wird maßgeblich die gesellschaftliche Zukunft prägen. Wird die „Sicherheitstechnik“, wie wir sie bisher kennen, in diesem Umfeld noch eine eigenständige Rolle spielen oder „nur noch“ untergeordnetes Element in komplexen Systemen sein?

Diese Frage ist nicht mit einem Satz zu beantworten, dies liegt zum einen daran, dass die Sicherheitstechnik – wie wir sie kennen – von verschiedenen Gefährdungsstufen ausgeht und abhängig von diesen Gefährdungsstufen auch unterschiedliche Anforderungen hat. Zum anderen besteht die Sicherheitstechnik aus verschiedenen Anwendungsarten. Die wesentlichen sind Einbruch-, Brandmelde-, Video-, Zugangskontrollanlagen sowie Mechanik und andere.

Man kann sich vorstellen, dass bei Objekten mit sehr geringem Schutzbedürfnis - im Hinblick auf Einbruch und Diebstahl - der sicherheitstechnische Teil relativ einfach in ein „Smart Home System“ integriert werden kann. Die Frage ist, ob man hierbei noch von der „Sicherheitstechnik“ sprechen kann, die üblicherweise bei Verwendung dieses Begriffs gemeint ist.

Überall dort wo ein Fachmann- also ein Fachplaner oder ein Facherrichter für Sicherheitstechnik – notwendig ist, um die jeweilige Anlage zu planen und zu errichten und Instand zu halten, wird eine Integration in ein komplexes „Smart Home System“ eine Herausforderung darstellen – im Hinblick auf das Schutzziel.

Da wo es um höhere Ansprüche von Sicherheitstechnik geht – unabhängig ob im Privatsektor oder im gewerblichen Bereich – wird die Sicherheitstechnik mehr oder weniger eigenständig bleiben, kann aber über „gesicherte“ Schnittstellen mit anderen Gewerken vernetzt sein.

Heute ist ein Facherrichter für Einbruchmeldesysteme für ein errichtetes Einbruchmeldesystem zuständig. Der Facherrichter für Brandmeldeanlagen für seine Brandmeldeanlagen usw. Wenn in Zukunft alles in einen komplexen Smart Home oder Smart Building System miteinander vernetzt ist, wird schon allein die Frage nach der Zuständigkeit sehr spannend sein!

Zusammengefasst: In den Bereichen wo die Sicherheitstechnik nur eine weniger wichtige Bedeutung hat, wird sie integraler Bestandteil von komplexen Smart Home Systemen. Dort wo die Sicherheitstechnik eine wichtige Bedeutung, im Hinblick auf das Schutzziel, hat, wird sie mittelfristig eigenständig bleiben, sowohl von der Technik als auch von der Zuständigkeit.

 

Welche Anpassungsprozesse bedeuten diese Perspektiven für die Entwickler, Produzenten oder Errichter von Sicherheitssystemen?

Da sich das Thema IT in der Sicherheitstechnik weiter ausbreiten wird, bedeutet das für die Entwickler, Produzenten und die Errichter, dass sie sich mit IT beschäftigen müssen. Beschäftigen müssen heißt in erster Linie: Ausbildung! Es heißt aber auch, dass man sich mit dem Thema „Haftung“ ganz neu auseinandersetzen muss, z. B. wenn ein vorhandenes Kundennetz verwendet werden soll.

 

Von welche wegweisenden Technologie- oder Marktentwicklungen in anderen Branchen dürften auch die Sicherheitsanbieter künftig profitieren?

Diese Frage ist sehr schwierig zu beantworten. Generell kann man davon ausgehen „dass was technisch geht auch irgendwann gemacht wird.“ Ein gutes Beispiel hierfür ist die Verwendung von Apps für Smartphone Anwendungen und wie diese heute schon bei Anlagen in der Einbruchmeldetechnik oder bei Videosystemen Verwendung finden.

Ein anderes Beispiel ist die Qualität von Videokameras, die für die Sicherheitstechnik verwendet werden. Die Software, die Hardware, also die gesamte Bildverarbeitung wird permanent verbessert – der Druck zu einer ständigen Verbesserung kommt aber im Wesentlichen von dem Endanwender. Weil dieser eine super Kamera in seinem Smartphone haben will.

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